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EDITORIAL

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LIEBE LESERIN, LIEBER LESER

Der Ruf nach alternativen Lebensformen ist augenfällig: Tiny House, biologisch Saisonales, recyceln, Verzicht auf Flugreisen und vieles mehr. Den ökologischen Fussabdruck reduzieren, so das Credo, ein achtsamerer Umgang mit der Umwelt und im Miteinander. Verständlich, denn der zivilisatorische Wandel, der bis vor Kurzem nur Stoff für Science-Fiction war, vollzieht sich rasend schnell und macht Angst.

Nathan Gardels, leitender Berater des unabhängigen «Think Tank Berggruen Institute» dazu in der «NZZ»: «Wir können das biologische Erbgut verändern und intelligente Maschinen schaffen.» Der Tech-nologie-Visionär Ray Kurzweil meint, dass schon 2030 das menschliche Gehirn mit digitalen Clouds fusioniert werden könnte; mithilfe von Nanobots – winzigen DNA-konstruierten Robotern – würden E-Mails oder Bilder direkt ins Hirn eingespeist und wir könnten unsere Gedanken und Erinnerungen mit Back-ups sichern. Der britische Wissenschaftler James Lovelock sagt, wir seien bereits in einer neuen Epoche angekommen, die er «Novozän» nennt: ein Zeitalter, in dem der Mensch durch seine eigenen Schöpfungen verdrängt wird und Maschinen sich zur Superintelligenz aufschwingen.

Die Angst vor der Aufhebung der Schranke zwischen Organismus und Maschine lässt Nathan Gardels eine neue Ethik für die Zukunft fordern, um das Überleben unserer Zivilisation zu sichern. Seine Lösung: «Eine Weisheit des Masshaltens» sei gefragt, um einen Ausgleich zur Vorstellung des «homo deus» (Mensch als Gott) zu schaffen ... «Die beständige und achtsame Suche nach dem Gleichgewicht in einer neuen Ökologie des Seins, in der sämtliche Geschöpfe nicht nur überleben, sondern prosperieren – das könnte ein neuer Sinn für das Heilige sein», meint er.

Damit spricht Gardels den Kern des Problems an. Doch, ist es möglich, sich «im Masshalten», seiner Definition von heilig, zu dressieren? Schonungslos grausam straft der Alltag diese Ideologie als riesen Trugschluss ab. Der Apostel Paulus bringt es auf den Punkt: «Denn was ich vollbringe, billige ich nicht; denn ich tue nicht, was ich will, sondern was ich hasse, das übe ich aus. ... Jetzt aber vollbringe nicht mehr ich dasselbe, sondern die Sünde, die in mir wohnt. ... Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, so vollbringe nicht mehr ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt» (Röm. 7,15; 17; 20).

«Christen sind frei gemacht nicht nur von etwas, sondern zu etwas.»

Wie kann Jesus das Unmögliche von uns fordern: «Liebt eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, und bittet für die, welche euch beleidigen und verfolgen» (Matth. 5,44)?

So zu handeln, ist nur in Ihm möglich. Jesus, der den Sieg über Hölle, Tod und Teufel errungen hat, befreit aus der Gefangenschaft der Sünde (Kol. 2,14.15) und bringt Kinder Gottes zur inneren Freiheit durch die Bindung an ihn. «Denn das Gesetz des Geistes, der lebendig macht in Christus Jesus, hat dich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes» (Röm. 8,2).

Ich frage mich manchmal, ob der «Run» auf alternative Lebensformen so gross ist, weil da etwas verändert werden kann, was der Mensch an seinem Herzen nicht schafft. Freiheit von uns selbst finden wir in der Nachfolge und im Gehorsam an Jesus. Die Entscheidung für Ihn, als Mitglieder einer Gesellschaft, die nicht nach Gott fragt, ist die Alternative schlechthin. Christen sind frei gemacht nicht nur von etwas, sondern zu etwas. «Das Letzte, was Jesus seinen Jüngern aufgetragen hat, war nicht, die Welt zu retten, sondern der Welt zu sagen, dass sie schon gerettet ist» (Oswald Chambers).

Herzlich, Ihre

Daniela Wagner-Schwengeler