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Stärker als der Tod

Die gläubigen Christen eines Dorfes unter diktatorischer Regierung waren in der Kirche zum Gebet versammelt. Plötzlich stürzte ein Offizier mit seinen Soldaten herein und befahl den Besuchern, das Gotteshaus innerhalb von zehn Minuten zu verlassen, denn es sollte zerstört werden. Doch dann kam dem Offizier eine teuflische Idee. Er riss das grosse Holzkreuz von der Wand, warf es auf den Boden und rief: «Nur die, die dieses Kreuz anspucken, dürfen hinausgehen, andernfalls werdet ihr mit in die Luft fliegen!»

Die Situation war schrecklich und die Zeit zum Überlegen kurz. Die Menschen waren ratlos. Einer trat zögernd hervor. Mit den Worten «Vergib mir!» spuckte er auf das Kreuz. Einige entschuldigten sich für das gleiche Tun, mit der Begründung, es sei ja schliesslich nur ein Holzkreuz. Etwa dreissig Leute hatten nach fünf Minuten auf diese Weise die Kirche verlassen. Da erhob sich ein sechzehnjähriges Mädchen, ging vor dem Kreuz auf die Knie, beugte sich nieder, wischte mit ihren Händen den Speichel fort und küsste dann das Kreuz. Diese junge Frau bekannte sich zu Jesus. Im gleichen Moment wurde sie von einer Pistolenkugel niedergestreckt und starb.

Stille trat ein. Niemand spuckte mehr, man hätte sonst das tote Mädchen bespuckt. Ratlos schaute der Offizier auf die Menschen, wandte sich plötzlich ab und verliess mit seinen Soldaten die Kirche. Alle zurückgebliebenen Leute versammelten sich um das tote Mädchen. Weinend bat der Vater der getöteten Tochter um Verzeihung. Er hatte den Ernst der Lage zu spät begriffen und konnte nichts mehr rückgängig machen. Dann sagte er: «Mein Kind, hätte ich erkannt, dass du dich zu Jesus bekennen willst, ich wäre dir vorausgegangen.» 

Dietmar Langmann