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EDITORIAL

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LIEBE LESERIN, LIEBER LESER

Schon mal wegen Gesetzesübertretung vor einem – oder gar zwei – Polizisten gestanden? Wenn nicht, glauben Sie mir, es gibt erhabenere Gefühle! Flauheit im Magen, Gedankengewitter im Kopf, rasendes Pochen in den Schläfen und Ohnmachtsgefühle der übelsten Sorte.

So geschehen meinem Mann im vergangenen Jahr. Sonderlich stolz ist er nicht darauf, ja, in Wirklichkeit schämt er sich dafür. Dennoch hat er mir erlaubt, seine Geschichte hier zu erzählen. (Um einem falschen Eindruck zu wehren – wäre ich im Besitz eines Motorrad-Führerscheins, könnte es auch mir passiert sein!)

An einem wunderschönen Spätherbsttag ist mein Liebster mit dem Motorrad unterwegs zu einem Krankenbesuch. Auf dem Nachhauseweg – die Sonne scheint, Freiheit pur, unbegrenzte Möglichkeiten – wird er ausserorts bei einem Überholmanöver geblitzt. Rechts ranfahren, absteigen, Schlüssel abziehen und Führerausweis abgeben. Verfrühte Frühlingsgefühle ade!

«Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.»

2. Korinther 5,21

Diese unrühmliche Angelegenheit beschäftigt meinen Mann merklich. In der darauffolgenden Nacht werde ich durch das Fehlen der üblichen tiefen Atemzüge neben mir wach. «Kannst du nicht schlafen?», flüstere ich ins Dunkel.

«Weisst du, die Polizisten fragten mich, ob ich zu meinem Vergehen noch etwas vorbringen möchte. Da ist mir bewusst geworden, was es heisst, wenn das Gesetz Einhaltung fordert und du nichts, aber auch gar nichts zu deiner Rechtfertigung zu sagen hast. Die ‹Spielregeln› waren klar, die Verkehrstafel deutlich sichtbar. Ob vor mir ein ‹Schleicher› verhinderte, dass ich pünktlich zur Arbeit zurück oder in löblicher Absicht auf meine Maschine gestiegen bin, ist auch nicht wirklich von Interesse. So ist es, wenn man vor Gott steht und sein Gesetz Gerechtigkeit fordert. Unmöglich, mildernde Umstände ins Feld zu führen. Auch alle bis anhin vollbrachten ‹guten Taten› wiegen die Schuld nicht auf. Vor Gott bin ich schuldig – ohne Wenn und Aber!

Da stellt sich Jesus vor mich und sagt: ‹Dies ist mein geliebtes, teuer erworbenes Kind. Ich habe am Kreuz für seine Schuld bezahlt und damit dem Gesetz Genüge getan.› Freiheit auf ewig, liebende Gemeinschaft statt verdammende Strafe.»

Gemeinsam falten wir unsere Hände und danken Jesus für seine unermessliche Liebe.

«Schrecklich ist’s, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen» (Hebr. 10,31) – das ist die andere Seite der guten Nachricht. Wer das Angebot der Begnadigung ablehnt und mit seiner eigenen «Gerechtigkeit» vor Gott tritt, wird mit Schrecken feststellen – was er im Hier schon wissen kann, wenn er sich um Gottes Spielregeln kümmert –, dass diese nie und nimmer reicht! Das ist die Botschaft von Karfreitag und Ostern: Einer für alle! Kann es sich ein Mensch leisten, an diesem Liebesangebot vorbeizugehen und es auszuschlagen? Der Preis dafür ist hoch, er kostet das Leben!

Frohe Ostern wünscht Ihnen Daniela Wagner-Schwengeler