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EDITORIAL

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Daniela Wagner-Schwengeler

LIEBE LESERIN, LIEBER LESER

Wir alle möchten glücklich sein. Anleitungen dazu füllen die Auslagen der Buchhandlungen. Müssten wir uns nicht zuerst die Frage stellen: Was ist eigentlich Glück? Aristoteles meinte: «Glück ist Selbstgenügsamkeit»; Goethe: «Glücklich allein ist die Seele, die liebt»; Romain Rolland: «Glück heisst, seine Grenzen kennen und sie lieben», und Simone de Beauvoir proklamierte: «Das Glück besteht darin, zu leben wie alle Welt und doch wie kein anderer zu sein.»

Glücklich scheint, wer in sich ruhend, mit sich und der Welt zufrieden ist. Wenn die Beziehungen harmonisch und alle Bedürfnisse befriedigt sind. Wenn kein Leid, nichts Böses unser Leben durchkreuzt. Es gibt auch andere Vorstellungen. So erklärte ein ISIS-Kämpfer in einem Interview, es sei sein grösstes Glück, für die Ausbreitung des Kalifats zu kämpfen. Er habe noch nie ein solches Glück verspürt. Oder: Ein Dieb ist «glücklich» über seine fette Beute, solange er nicht erwischt wird und er das Gewissen zum Schweigen gebracht hat. Es gibt durch böse Taten erwirktes «Glück». Sind wir also der Schmied unseres Glücks? In einer gewissen Weise schon.

Die Bibel sagt: «Glücklich ist der Mensch, der auf Gott vertraut» (Psalm 84,13 b), «der sich bei Gott birgt» (Psalm 34,9 b), «der den Herrn zu seiner Zuversicht macht» (Psalm 40,5), «dem der Herr die Schuld nicht zurechnet» (Psalm 32,2). «Glücklich das Volk, dessen Gott der Herr ist!» (Psalm 144,15).

Das wahre Glück, die wirkliche Erfüllung, liegt darin, Jesus als den Weg zu Gott dem Vater zu erkennen, Ihm sein Leben anzuvertrauen und die Befreiung von aller Schuld anzunehmen. Von Gott geliebt und mit Ihm im Reinen zu sein, das ist es, was uns im Innersten glücklich macht (Dazu finden Sie verschiedene Artikel in diesem Heft, z. B. «Ein erfülltes Leben – trotz unerfüllter Wünsche».). Durch den Glauben haben wir Frieden mit Gott und sind berufen zur Hingabe an Ihn. Die Nachfolge Jesu kann durch viel Leid führen. Aber in Seiner Nähe sind wir geborgen, was auch kommen mag. Was für ein Glück!

«Das Glück ist nicht in uns und auch nicht ausserhalb von uns, sondern in Gott. Und wenn wir ihn gefunden haben, ist es überall.»

Blaise Pascal, französischer Mathematiker und Philosoph

Das bezeugt auch Kenneth Bae im Interview ab Seite 24. Er wurde wegen seines Glaubens an Jesus zu fünfzehn Jahren Einzelhaft und Zwangsarbeit in Nordkorea, einer der schlimmsten Diktaturen der Welt, verurteilt. Das Land liegt seit 2002 auf Platz eins der Christenverfolgung. Etwa 300 000 Christen leben ihren Glauben versteckt im Untergrund. Als Kenneth Bae nach zwei Jahren freikommt, sagt er: «Als ich nach Hause kam, fühlte ich mich, als ob ich die zwei Jahre in einer persönlichen Einkehrfreizeit bei Gott verbracht hätte.» Christen erleben das Wunder, dass Gott einem Menschen mitten in der Not Freude geben kann.

Viele unserer LeserInnen haben für Irmgard Grunwald gebetet und sich immer wieder nach dem Ergehen der ehemaligen ethos-Autorin erkundigt. Am 3. März durfte die schwer an ALS Leidende zu ihrem himmlischen Vater heimgehen. Wie sehr hatte sie sich danach gesehnt! Auf ihrer Todesanzeige stand der Vers aus dem Philipperbrief: «Das Leben ist für mich Christus, und das Sterben ein Gewinn!» (1,21).

«Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat» (1. Joh. 5,4). Möge Gott uns in seiner Güte eine tiefere Einsicht in die gesegnete Wirklichkeit eines Glaubenslebens in ihm schenken, damit wir die Tragweite dieses Verses besser verstehen können.

Vor wenigen Wochen schrieb mir Irmgard ihre letzte E-Mail und schloss mit dem Satz: «Unser wunderbarer Herr Jesus Christus möge auch euch segnen und auf allen Wegen behüten.» Das wünsche ich auch Ihnen, liebe LeserInnen.

Herzlich, Ihre

PS: Im Mai wird das letzte Werk von Irmgard Grunwald, «Meine Seele hat Flügel», erscheinen (CV Verlag).