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EDITORIAL

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Daniela Wagner-Schwengeler

LIEBE LESERIN, LIEBER LESER

«Weiss ich den Weg auch nicht, du weisst ihn wohl; das macht die Seele still und friedevoll. Ist’s doch umsonst, dass ich mich sorgend müh, dass ängstlich schlägt mein Herz, sei’s spät, sei’s früh.

Du weisst den Weg für mich, du weisst die Zeit, dein Plan ist fertig schon und liegt bereit. Ich preise dich für deiner Liebe Macht, ich rühm die Gnade, die mir Heil gebracht.

Du weisst, woher der Wind so stürmisch weht, und du gebietest ihm, kommst nie zu spät, drum wart ich still, dein Wort ist ohne Trug, du weisst den Weg für mich, das ist genug.»

(Hedwig von Redern)

Wir leben in einer Zeit vieler Verunsicherungen. Worauf können wir uns noch verlassen? Wohin treibt unsere Welt – global, national, ideologisch, persönlich?

«Weiss ich den Weg auch nicht, du weisst ihn wohl; das macht die Seele still und friedevoll ...» Vielen unter Ihnen ist das alte Lied der Dichterin Hedwig von Redern bekannt.

Die Wirren des Ersten Weltkrieges treffen das Baltikum schwer. In der Stadt Riga bekommt ein Pastor den Ausweisungsbefehl nach Sibirien. Bewegten Herzens stimmt seine Gemeinde ein in dieses wunderbare Lied, ihm zum Abschied und allen Anwesenden zum Trost. Auch die Deutsch-Baltin Marion von Klot sitzt in den Reihen und singt mit. Als im Januar 1919 die Bolschewisten in Riga eindringen, werden zahlreiche baltische und deutsche Bürger verhaftet. Statt zu fliehen, kümmert sich Marion um ihre Grossmutter. Wenig später liefert man die junge Frau, zusammen mit vielen anderen, ins Zentralgefängnis ein. Dort singt sie ihren Mitgefangenen täglich «Weiss ich den Weg auch nicht» vor, um sie zu ermutigen und ihnen Kraft zu spenden. Am 22. Mai 1919, kurz vor der Befreiung durch die Deutschen, wird Marion von Klot von den Bolschewisten erschossen. Sie ist gerade mal 22 Jahre alt.

Dieses Heft trägt den Titel «Ich gehe weiter ...». Ob verwitwet (Lesen Sie dazu das Interview mit Yvonne Schwengeler, ab Seite 18), einsam (siehe Beitrag Seite 36–40) oder Opfer von Gewalt (Seite 28–30) – Gott ist noch heute die einzig verlässliche Kraft und der Mutmacher, um auch in dunkelsten Stunden weitergehen zu können. Er verspricht: «Der Herr aber, der selber vor euch hergeht, der wird mit dir sein und wird die Hand nicht abtun und dich nicht verlassen. Fürchte dich nicht und erschrick nicht!» (5. Mose 31,8).

Ein Christ nahm sich für das neue Jahr Folgendes vor. Ich möchte: 

Gott möge Ihren Weg auch im 2017 segnen. Für Ihre Lesertreue und alle Unterstützung im vergangenen Jahr möchte ich mich im Namen des ganzen ethos-Teams herzlich bei Ihnen bedanken. Auf ein frohes neues Jahr, Ihre