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EDITORIAL

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LIEBE LESERIN, LIEBER LESER

Sie kennen die Geschichte vermutlich aus den Medien. Gammy ist erst sechs Monate alt. Doch bereits, bevor er geboren worden ist, haben ihn seine Eltern verlassen – ja schlimmer noch, sie sollen angeblich der Leihmutter ihres Kindes den Auftrag gegeben haben, den Jungen abzutreiben, weil er nicht ihrem Idealbild entsprach. Der Kleine mit Downsyndrom hat ein Chromosom zu viel, das war nicht «bestellt». So nahmen sie nur die gesunde Tochter mit, den Knaben wollten sie nicht als ihren Sohn anerkennen. Ein Aufschrei ging rund um den Globus. Abgelehnt, aussortiert, der Elternliebe unwürdig – dabei kann Gammy nicht das Geringste dafür.

Unterdessen geht der Streit zwischen der Leihmutter und dem Ehepaar aus dem australischen Perth weiter. Jetzt will die Leihmutter auch die gesunde Schwester von Gammy bei sich haben. Was wird wohl aus den beiden?

Wenn Kinder wiederholt ernsthaft Probleme machen und sich nicht helfen lassen wollen, haben viele «Verständnis», dass Eltern ihren Kindern die Liebe «kündigen». Aber dieses behinderte Baby einfach wie eine nicht ganz perfekte Frucht ins Regal zurückzulegen, ging vielen zu weit.

«Wie ich mit Mose gewesen bin, so will ich auch mit dir sein. Ich will dich nicht verlassen noch von dir weichen.»

(Josua 1,5 b)

Mich hat diese Geschichte bewegt – ganz abgesehen von der Tatsache, dass das Thema Leihmutterschaft dieses Problem erst heraufbeschworen hat und nun diskutiert werden muss, wem das Kind eigentlich gehört! Je mehr sich die Gesellschaft von Gottes Geboten verabschiedet, desto wackliger wird ihr Fundament. Man will sich von den «einengenden» Ansprüchen Gottes befreien, als Folge davon können wir uns nun kaum noch retten vor Gesetzesparagrafen, die alle unsere skurrilen Auswüchse des Zusammenlebens reglementieren sollen.

Wie schnell sind wir bereit, jemandem die Treue zu verweigern, ihn zu verlassen? Solange Nachbarn, Kollegen und Freunde sich als liebenswert erweisen, wollen wir mit ihnen sein. Wehe ihnen aber, wenn sie uns verletzen – vielleicht wiederholt – oder wenn sie gar «anstrengend» sind! Nein, dann doch lieber nicht in das «Problemobjekt» investieren, es wird wohl kaum eine Rendite herausschauen. Da geht man besser auf Distanz.

Im Refrain eines Liedes von Manfred Siebald heisst es: «Wie wäre es, wenn Gott so wär’ wie ich und gleich erschlüg’, was ihm missfällt, wer könnte dann dem Tod entflieh’n? ...»

Jesus kennt unsere Macken besser als jeder andere. Zum Glück hat Er die Nase nicht voll von uns, wenn wir ihn wieder und wieder enttäuschen. Denn wer einmal Ja zu Ihm gesagt hat, ist und bleibt sein Kind. Unwiderruflich, für immer! Weder verlässt Er uns bei Untreue, noch kündigt Er uns seine Vergebungsbereitschaft. Als seine Kinder und Freunde hat Er uns erwählt, obwohl wir von der Sünde «behindert», ja entstellt sind. Wie dankbar stimmt es mich, dass der vollkommene, allmächtige Gott mir die Liebe und Kindschaft nicht entzieht, nicht plötzlich infrage stellt, zu wem ich gehöre. Wer einmal zu seiner Familie gehört, seinen Namen trägt, den wird Er nie mehr verlassen und ihn geduldig beim Wachsen im Glauben begleiten.

«Denn die Berge mögen weichen und die Hügel wanken, aber meine Gnade wird nicht von dir weichen und mein Friedensbund nicht wanken, spricht der Herr, dein Erbarmer» (Jesaja 54,10).

Da kann ich nur staunen!

Herzlich

Daniela Wagner-Schwengeler