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DER WEIDENKORB

Ein alter Mann lebte mit seinem Enkel auf einem Bauernhof in den Bergen. Jeden Morgen las der Opa am Küchentisch in seiner abgenutzten Bibel.

Eines Tages fragte ihn der Junge: «Opa, ich versuche die Bibel so zu lesen wie du, aber ich verstehe vieles nicht, und was ich verstehe, vergesse ich oft, sobald ich das Buch wieder zugeschlagen habe. Was nützt es mir, die Bibel zu lesen?»

Der Grossvater, der gerade den Ofen heizte, drehte sich ruhig um und sagte: «Nimm diesen alten Weidenkorb, geh runter zum Fluss und hole Wasser.»

Der Junge tat, was ihm aufgetragen war. Doch das ganze Wasser sickerte aus dem Korb heraus, bevor er wieder zu Hause ankam. Der Opa lachte und meinte: «Du läufst nicht schnell genug. Du musst nächstes Mal schneller laufen.» Er schickte ihn mit dem Korb zurück zum Fluss, um es erneut zu versuchen.

Dieses Mal lief der Junge so schnell er konnte, aber der Korb war leer, ehe er zu Hause ankam.

«Es ist unmöglich, Wasser im Korb zu tragen!», keuchte er ausser Atem, «ich nehme einen Eimer!» – «Ich möchte nicht einen Eimer, sondern einen Korb voll Wasser! Du schaffst das schon. Du musst dich nur etwas mehr anstrengen.»

Obwohl der Junge wusste, dass es unmöglich war, tat er, wie ihm geheissen wurde.

Als er zurückkam, war der Korb wieder leer.

«Siehst du, Opa, es ist völlig sinnlos!»

«Du denkst, es ist sinnlos?», fragte der Opa. «Schau dir doch mal den Korb an!»

Da merkte der Junge, dass der Korb inzwischen ganz anders aussah. Der einst dreckige Weidenkorb war inzwischen ganz sauber. «Schau», sagte der Opa, «das passiert, wenn du die Bibel mit ganzem Herzen liest! Du wirst vielleicht nicht immer alles verstehen und dich auch nicht an alles erinnern können, aber wenn du sie regelmässig liest, wird es dich von innen heraus verändern.» n

Geschichte aus Kanada überliefert

«Glücklich der Mann, der seine Lust hat am Gesetz des Herrn und über sein Gesetz sinnt Tag und Nacht! Er ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und dessen Laub nicht verwelkt; alles, was er tut, gelingt ihm.» (Psalm 1,2–3)