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EDITORIAL

«Ist uns bewusst, dass der Allmächtige Sie und mich geschaffen hat als die Person, mit der Er eine einzigartige und individuelle Geschichte schreiben möchte?»

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LIEBE LESERIN, LIEBER LESER

Lachend rennt mir der kleine Nils entgegen. Doch jäh endet sein Sprint, als er stolpert und hart auf dem Asphalt aufschlägt: Schmerz, Ohnmacht, Tränen. Zu Fall gebracht – fernab beschwingter Höhenflüge.

«Aus Bruchlandungen Sprungbretter machen» titelt Nicola Vollkommer ihren Artikel (ab Seite 17, nicht zu verwechseln mit einem ähnlich lautenden Artikel vor drei Jahren in ethos). Ein steiler Anspruch! Wie soll aus Stillstand, ja schlimmer noch, einem Scherbenhaufen, eine chancenreiche Absprungrampe resultieren, die das Leben wieder Fahrt aufnehmen lässt?

Katastrophen mittels positiven Denkens in ein Plus umzumünzen, ist hierfür ein häufig gewählter Versuch. «Alles kommt gut.» Dieser Satz war gerade in den letzten Monaten omnipräsent in den Medien. «Ob du glaubst, du schaffst es oder du schaffst es nicht, du wirst recht behalten.» Es liegt in der Natur der Sache, dass in diesem Statement von Henry Ford ein gewisses Motivationspotenzial steckt. Doch diese Binsenwahrheit wurzelt mir zu flach. Sie gibt weder Antwort darauf, wie das zu bewerkstelligen ist, noch woher die Kraft kommt.

Evaluationen sind in Unternehmen selbstverständlich. Man untersucht, was zum «Ist-Zustand» beigetragen hat. Aus den Erkenntnissen zieht man Schlüsse und legt den weiteren, möglichst Erfolg versprechenden Kurs fest. Im persönlichen Leben sehen wir uns dazu oft erst veranlasst, wenn wir am Boden liegen. Manchmal nicht mal dann. Es gilt, die Chance, die diese Niederlage birgt, zu nutzen.

Könnte es sein, dass Gott mein Gewissen ansprechen und Schuld aufdecken möchte, die Ihm den Zugang zum Herzen versperrt? Gibt es Dinge, die ich verdränge, schönrede und nicht zugeben will? Gewohnheiten, die mein Leben beherrschen, oder Menschen, die mich verletzt haben und denen ich nicht vergebe? Dann ist der einzig segensreiche Weg, es David gleichzutun, Gott die Schuld zu bekennen und das Herz vor ihm auszuschütten: «Meine Schuld raubt mir alle Kraft und lähmt meine Glieder» (Ps. 31,11 b).

Gott wartet darauf, uns mit seiner Vergebung und einem neuen Herzen zu beschenken: «Glücklich der, dem Übertretung vergeben, dem Sünde zugedeckt ist!» (Psalm 32,1). Einem Sprungbrett zum Segen geht die Erkenntnis voraus, dass in mir die Kraft zur Selbsterlösung fehlt. In keiner noch so verbesserten Version eines Menschen liegt das Potenzial dazu. Gott ist es, der Neues schafft.

«Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen; siehe, es ist alles neu geworden» (2. Kor. 5,17)! Darauf dürfen wir uns berufen und müssen uns nicht mehr lähmen lassen durch unser Versagen oder die Anklagen anderer – die Schuld ist beglichen, wie schwer sie auch wog oder was unsere Gefühle auch sagen. Aufstehen und vorwärtsgehen in der Macht Seiner (Gottes) Stärke, lautet das Credo.

«Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein», sagt Gott (Jesaja 43,1 b). Ist uns bewusst, dass der Allmächtige Sie und mich geschaffen hat als die Person, mit der Er eine einzigartige und individuelle Geschichte schreiben möchte? Dass Er jedem Leben Ziel und Sinn in der Gemeinschaft mit Ihm, dem Schöpfer, dem heiligen Gott, gibt? Auch wenn nicht eigene Schuld, wie Krankheit, Tod oder Böses, das andere uns zufügen, eine Bruchlandung im Leben auslöst: Unser Vater im Himmel verliert nie die Kontrolle. In alledem tröstet mich, dass sich selbst solche Umstände nicht Gottes Einflussbereich entziehen und Er mir auch das zum Besten dienen lässt – denn er liebt mich! In der Hand von Jesus ist Sieg. Er schenkt Frieden in den schwierigsten Umständen. Seine Kinder kennen dieses Wunder und erleben, wie dadurch ihr Vertrauen in den Heiland immer fester wird.

«Die dem Herrn vertrauen, schöpfen neue Kraft. Sie schwingen sich auf wie ein Vogel, frei und getragen vom Wind», heisst es in einem Lied. Das wünsche ich uns allen von Herzen!

Herzlich, Ihre

Daniela Wagner-Schwengeler