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EDITORIAL

Liebe Leserin, lieber Leser

«Als ich am Morgen aufwachte, sah die Welt so grau aus. Es war, als ob mein ganzes Leben, alles, was ich getan und wofür ich gearbeitet habe, seinen Sinn verloren hätte.» Das schreibt der 17-jährige Schwede Ivan Hill, nachdem er den Film «Avatar» im Kino gesehen hatte. Wie bitte? Ich begann nachzuforschen und stiess auf Internetforen, in denen Hunderte von Menschen dasselbe mitteilten. Sie wollten nach dem Kinobesuch am liebsten der Realität der Erde entfliehen! So schön hatten sie die von Regisseur James Cameron erschaffene 3D-Kunstwelt des Planeten Pandora und die dort lebende Gesellschaft der blauhäutigen Na’vi empfunden. Pandora wirkt wie ein Spiegel des verlorenen Garten Edens. Dabei ist es nicht die Unvollkommenheit der Erde, die uns fröstelt. Was uns erschaudern lässt, ist die Angst vor der Zukunft, das eigene Versagen und die Frage: Wer befreit uns von der Macht der Sünde und des Todes?

Die Erdkruste ist zerbrochen. Wir leben auf schwimmenden, sich reibenden Bruchstücken. Manchmal springen sie krachend hoch, dann bebt die Erde! Unter dem Eindruck der Bilder aus Haiti mit den vom Staub leichenblass gepuderten Gesichtern, den Bergen von Toten, dem Weinen verletzter Kinder und verzweifelter Mütter, kann ich die Depression der Pandora-Süchtigen verstehen. Sie sehnen sich nach einer anderen, einer neuen Welt ohne Leid, Tränen und Tod.

«Denn ich bin überzeugt, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden soll.»

Römer 8,18

Das weihnachtliche «Fürchtet euch nicht!» noch im Ohr, blicke ich auf blankes Elend. Mit Haiti wurde eines der ärmsten Länder der Erde getroffen. Ungerecht? Mit der Frage nach Schuld und Gerechtigkeit wurde auch Jesus konfrontiert (vgl. Lukas 13,1 bis 5). Warum mussten jene Pilger sterben, warum wurden genau diese 18 Menschen von Trümmern erschlagen? Jesus geht aber nicht ein auf solch unbarmherziges Aufrechnen tatsächlicher oder nur unterstellter Sünde. Er antwortet: «Wenn ihr nicht Busse tut, werdet ihr alle auch so umkommen.» Letztlich geht alles Leid zurück auf die Folgen des Sündenfalls (1. Mose 3,17 bis 19). Meine Schuld ist unendlich tief und trennt mich von Gott. Es ist verkehrt, mich aufgrund guter Taten vor Gott selbst rechtfertigen zu wollen und andere wegen ihrer Vergehen anzuklagen.

Gott ist Richter – und Retter. Und er vergibt dem Schuldigen, der in seine Arme umkehrt. Er sieht unsere Not und bleibt nicht teilnahmslos. In der Person Jesu ist Gott selbst Mensch geworden, um unser Leben zu teilen. Er nahm unsere Krankheit auf sich und starb unseren Tod. Er leidet an uns, er leidet mit uns und er leidet für uns. Mehr als Mensch werden ging nicht, noch wehrloser konnte sich der Höchste nicht machen! «Gott hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben. Wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?» (Römer 8,32). Hans Peter Royer hat die Auswirkung des persönlichen Glaubens an Jesus einfach und eindrücklich beschrieben: «Ein Grund, warum ich so gerne Christ bin, ist der, dass mich Jesus Christus ausrüstet, in dieser Welt zu leben, wie sie wirklich ist, und nicht, wie ich sie haben möchte. Und weil ich dabei Freude bewahren kann, ohne die traurigen Tatsachen beschönigen zu müssen.» Wir brauchen keine Kino-Illusionen über andere Welten, sondern Gott, der uns hilft und uns eine Zukunft schenkt.

Herzliche Grüsse, Ihr Rolf Höneisen