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EDITORIAL

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LIEBE LESERIN, LIEBER LESER

Die Forderungen nach Akzeptanz und Toleranz unserer Tage klingen wohlwollend, freundlich und erstrebenswert. Toleranz ist ein wichtiger Pfeiler jeder Demokratie und es gilt, sie zu bewahren. Wird sie angetastet, zeigen sich die negativen Folgen augenblicklich und ungeschminkt, ob im privaten Umfeld oder auf höchster Politebene.

Es fällt auf, dass in vielen Diskussionen die beiden Begriffe als Synonyme gehandelt werden. Meinen sie aber tatsächlich das Gleiche? Toleranz bedeutet Duldsamkeit, d. h. gelten lassen fremder Überzeugungen und Handlungsweisen. Es beinhaltet jedoch nicht, dass ich meine eigene über Bord werfen muss. Der Tolerante behält seinen Standpunkt, lässt aber andere Überzeugungen stehen. Akzeptanz hingegen meint «gutheissen», steht für positiven Zuspruch und drückt ein zustimmendes Werturteil aus. Wer eine Überzeugung akzeptiert, übernimmt sie und gibt die eigene auf. Akzeptanz und Toleranz sind mitnichten gleichzusetzen.

Religionsgruppen fordern im Namen der Toleranz Akzeptanz und reagieren mit brutaler Gewalt, wenn andere sie tolerieren, ohne zur Waffe zur greifen, sich aber keine Meinung im Sinne der Akzeptanz aufzwingen lassen und von der Meinungsfreiheit Gebrauch machen.

«Manche meinen, sie seien liberal geworden, nur weil sie die Richtung ihrer Intoleranz geändert haben.»

Wieslaw Brudzinski

Immer mehr Menschen fordern ihre Rechte im Namen der Toleranz, des Friedens und der Freiheit ein, um genau das Andersdenkenden zu verwehren. Es mutet seltsam an, wenn Toleranz nur in die Richtung spielt, in der man selbst unterwegs ist. Mehr noch, solch ein Verhalten höhlt den Begriff aus und macht ihn zu einer reinen Worthülse und damit kraftlos.

Tolerante Christen engagieren sich dafür, dass alle Menschen ungehindert gemäss ihren Überzeugungen leben können, ohne gleichzeitig alles zu akzeptieren oder gutzuheissen. Die Toleranz findet in einem Christen ihre Steigerung in der Feindesliebe: «Tut wohl denen, die euch hassen», und den Superlativ in Jesus: Er gab sein Leben für seine Feinde, um Frieden für sie zu erwirken. Auf der andern Seite dieser nicht zu überbietenden Toleranz steht eine unumstössliche Wahrheit, die sich nie mit Gewalt oder Hass ausbreitet und sich keinem noch so grossen Druck im Sinne der Akzeptanz beugt. Sie ändert sich nie, muss sich keinen Modeströmungen und Ideologien anpassen, um zeitgemäss zu sein, und ist gerade deshalb ein tragfähiges Fundament. Weil Jesus die Wahrheit und die Liebe ist, werden Seine Früchte immer friedfertig und segensreich für das Umfeld sein.

In Deutschland hat das Bundesverwaltungsgericht beschlossen, das Einfordern von Akzeptanz sexueller Vielfalt verstosse gegen das Indoktrinationsverbot (Es ist nicht erlaubt, den Schüler – mit welchen Mitteln auch immer – im Sinne erwünschter Meinungen zu überrumpeln und damit an der Gewinnung eines «selbständigen Urteils» zu hindern.).

«Toleranz ist die Fähigkeit, Widerspruch zu ertragen.»

Philippe Soupault

Die Praxis sieht jedoch anders aus: Lehrmittel werden verbreitet, die heterosexuelle Familien – mit Vater, Mutter und Kindern – als überholt und veraltet darstellen, oder in denen alle möglichen Formen des Zusammenlebens vorkommen. Nur die «normale» Familie ist nirgends zu finden.

Desgleichen die Gender-Ideologie. Sie behauptet: «Man wird nicht als Frau geboren, man wird zur Frau gemacht, die Rollenzuschreibung ist von aussen aufgezwungen.» Die menschliche Natur sei ein weisses Blatt und somit eine Neuprogrammierung des Menschen möglich. Ein neuer Mensch soll geschaffen werden. Doch damit wird unsere Identität zerstört. Denn was verunsichert uns mehr, als nicht zu wissen, ob wir Mann oder Frau sind? Der seiner Identität beraubte Mensch wird beliebig lenkbar, abhängig, unmündig und führungsgläubig. Nicht mehr die «Natur» entscheidet darüber, ob eine Theorie stimmt, sondern eine Ideologie.

Es muss übelste Auswirkungen haben, wenn eine weltumspannende Ideologie wie Gender und die darauf aufbauende Politik auf einer Lüge basiert. Lesen Sie dazu das Interview mit Birgit Kelle auf Seite 20. Noch ist es nicht zu spät, die Stimme zu erheben.

Herzlich,

Daniela Wagner-Schwengeler