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EDITORIAL

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LIEBE LESERIN, LIEBER LESER

Deutlich war der spöttische Unterton auszumachen: «Glaubst du immer noch an Gott und die Bibel?» Sven bejahte. Länger schon hatten sie keine privaten Gespräche mehr geführt. Felix, ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann, liess sich gerne vom kompetenten Bankfachmann beraten, wenn es um finanzielle Belange ging; dass dieser Gott und sein Wort jedoch ernst nahm, fand er einfach nur lächerlich. Glaube – das ist etwas für Schwächlinge oder solche, die einfach nicht «Mann’s genug» sind, sich der Realität des Alltags zu stellen.

Kennen Sie das? Ihnen sonst wohlgesonnene Mitbürger bringen zum Ausdruck: «Du hast das doch nicht nötig!» In Gedanken formulieren sie weiter: «Deine Gesellschaft ist angenehm, wenn nur der Glaube an diesen Jesus nicht wäre. Kein aufgeklärter Mensch kann ernsthaft glauben, was in der Bibel steht.»

«Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander nehmt und die Ehre von dem alleinigen Gott nicht sucht?»

Johannes 5,44

Mir fällt es nicht leicht, als «Weichei» oder «leicht limitiert» abgestempelt zu werden. Dann und wann wurde ich zu einem «Duckmäuser», indem ich den Mund hielt, wenn das Fundament meines Lebens mit lockeren Sprüchen lächerlich gemacht wurde. Was hat mich verstummen lassen? Das eigene Ansehen war mir in diesem Moment offenbar wichtiger als die Ehre Gottes. Mein Vater hat oft zu uns Kindern gesagt: «Wer sich vor Gott beugt, der kann vor Menschen geradestehen!» Wie wahr!

Ganz neu hat mich die Geschichte von Daniel beeindruckt. Mit welcher Klarheit hat er sich zu Gott bekannt! Daniel war kein Mann, der «sein Fähnchen in den Wind hängte». Er war auch dort treu, wo es ihn seine bedeutende Stellung als Minister im medo-persischen Reich oder gar sein eigenes Leben kosten konnte.

Noch gut kann ich mich erinnern, wie ich als Kind an der Stelle der Geschichte den Atem anhielt, in der Daniel trotz Verbot von höchster Stelle Gott bei offenem Fenster anbetete. «Mach doch das Fenster zu und ducke dich etwas tiefer», so wollte ich ihm zurufen. Doch schon hatten die ihm auflauernden Feinde die Falle zuschnappen lassen. (Die Geschichte liest sich spannender als jeder Krimi, Bibel, Daniel Kapitel 6.)

Tief in meinem Kinderherzen fühlte ich diesen Kampf: Von wem oder wovon lasse ich mich bestimmen? Wen ehre ich? Solange wir auf dieser Erde sind, wird der Kampf um die Herrschaft des Herzens nicht aufhören. Doch seit jenen Kindertagen wächst in mir der Wunsch, IHM, meinem Erlöser, kompromisslos zu folgen. Er hat versprochen, uns Mut, Kraft und Weisheit zu geben, wenn wir uns auf seine Seite stellen. Nur so wird unser Leben ein Licht im Dunkeln und unser Christsein glaubwürdig sein. Ein Leben, das die Ehre Gottes im Auge hat, wird ausgefüllt und sinnerfüllt sein.

Herzlichst, Daniela Wagner-Schwengeler