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EDITORIAL

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LIEBE LESERIN, LIEBER LESER

«Ist da jemand? Die Zukunft der Religion: Glaube ohne Gott» – so titelt «der Spiegel» im Juni und schreibt dazu: «Unsere Welt wird zunehmend säkularer, sogar Gläubige hadern mit den Vorstellungen eines Gottes wie aus dem Märchen. Was aber wäre eine Religion, die darauf verzichtet? Eine Religion für Atheisten?»

Johann Hinrich Claussen, Pfarrer an der Hamburger St.-Nikolai-Kirche, predigt an Christi Himmelfahrt. Er spricht die Sache mit der Wolke an und führt ins Feld, ob eine Religion ohne Gott denkbar wäre: «Wie anders wir heute zum Himmel schauen als die Menschen der Bibel, wie viel mehr wir wissen, wie viel weniger wir glauben als sie, wie unterschiedlich unsere Bilder von der Welt sind.» So wie die Jünger der Bibel, sagt Claussen, «denken, wissen, glauben wir jedenfalls nicht mehr. Wir haben ein ganz und gar anderes Bild vom Himmel, in diesem Himmel wird niemand aufgehoben in einer Wolke.»

Er zitiert den Philosophen Ronald Dworkin, der mit einem personenhaften Gott gar nichts habe anfangen können und doch nicht auf Religion verzichten wollte. «Immer mehr Menschen wollen einen religiösen Atheismus leben. Gläubige und Gottlose soll der Glaube an Werte, ohne die der Mensch nicht existieren könnte, verbinden, weil sich sonst alle sofort totschlagen würden.» Die Anerkennung dieser Werte, so Dworkin, mache ein übernatürliches Wesen nicht erforderlich. Für ihn gibt es nur eine einzige Art der Unsterblichkeit, die der Mensch anzustreben berechtigt ist, und das ist die Befriedigung, ein gelungenes, ein sittlich gutes Leben geführt zu haben. «Das Leben nicht zu vergeuden und verspielt zu haben, ist der bleibende Wert.»

«Die Toren sprechen in ihrem Herzen: ‹Es ist kein Gott›.»

Psalm 53,2

Die seit Januar 2013 bestehende «Sunday Assembly» will eine Kirche ohne Gott sein. «Wir haben uns die besten Elemente einer Kirche genommen – und lassen Gott einfach weg», so ihr Gründer Sanderson Jones. «Wir glauben nicht an Gott, aber an das Gute. Unser Motto lautet: Lebe besser, hilf öfter, mach dir mehr Gedanken.»

Die Realität zeigt ein ganz anderes Bild: Der von Gott losgesagte Mensch sucht seinen Vorteil, wird zum Egoisten, auch wenn günstige Lebensumstände diese Tatsache oft zu tarnen vermögen. Wer glaubt da an ein Märchen? Die Gefängnisse quellen über. Krieg, Hass und Gewalt nehmen überhand. Der so aufgeklärte Mensch, der sich dem Humanismus verschrieben hat, scheitert letztlich an sich selbst, weil niemand das Böse aus seinem Herzen zu eliminieren vermag – bestenfalls zu dressieren – mit grossem Rückfallrisiko!

Pure Religion braucht wirklich keinen Gott, da hat «der Spiegel» Recht! Denn Religion ist das Bemühen des Menschen, sich selber mittels guter Werke und Frömmigkeit zu erretten. Es gibt sie in allen Schattierungen. Der Glaube an den Gott der Bibel ist genau das Gegenteil: Gott errettet uns, wir können dazu gar nichts tun. Es gilt, auf Sein Angebot zu reagieren und es anzunehmen.

Wohl dem, der Gott persönlich kennt – der Garant für ein gelungenes, sinnvolles und verantwortliches Dasein. Mit dem Allmächtigen per «Du» zu sein, Sein Reden und Handeln zu erfahren – das ist wahres Leben und ein Reichtum des Segens, des Friedens und der Geborgenheit.

Wer sein Leben in Gottes Hand gegeben hat, geniesst das Vorrecht, vom Schöpfer höchstpersönlich geführt und geleitet zu werden. Dieser Gott hat Augen, die sehen; Ohren, die hören, und Er kommt niemals zu spät, um Seinen Kindern beizustehen.

«Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten und du sollst mich preisen» (Psalm 50,15). Ja, da ist einer!

Herzlich

Daniela Wagner-Schwengeler