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EDITORIAL

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LIEBE LESERIN, LIEBER LESER

Zum neuen Jahr oder an Geburtstagen wünschen sich Christen oft Gottes Segen. Doch, was heisst das eigentlich? Neulich fragte mich ein junger Mann, ob jemand, der Jesus liebt, sein Wort ernst nimmt und ihm gehorsam ist, nicht von Gott gesegnet würde. Im Blick hatte er Reichtum, Gesundheit und Erfolg. Die Realität, in der viele leben, sieht jedoch ganz anders aus: Prozentual sind wohl mehr Christen arm als reich, unzählige sind krank oder werden verfolgt. Dies bereitete meinem Bekannten Not. Ist Gott nun gut zu seinen Kindern, oder nicht? Wo bleibt der verheissene Segen?

Ein Chinese, der Christ geworden war, hatte unter der Verfolgung durch seine Sippe allerhand zu leiden. Sein ehemals blühendes Geschäft hatte man boykottiert. Der einst reiche Mann verarmte dadurch mehr und mehr. Dennoch hielt er treu an seinem Glauben fest.

Andere Christen sprachen ihm ihr Bedauern darüber aus, dass er statt des herrlichen Gartens, den er früher gehabt hatte, jetzt nur noch ein armseliges Stückchen Erde vor seiner noch ärmlicheren Hütte sein Eigen nannte. Seine Erwiderung auf ihr Bedauern war geradezu königlich: «Ja, mein Garten ist klein, auch nicht sehr lang, auch nicht allzu breit. Aber» – und seine rechte Hand wies dabei hinauf in den Himmel, während sein Gesicht strahlte – «aber, er ist sehr hoch!»

Dieser Chinese wusste, wie wenig alle Weiten der Erde einem Menschen bedeuten, dem Christus das Wichtigste geworden war. Was ist uns das Wichtigste?

«Siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst.»

1. Mose 28,15

Paulus schreibt an die Epheser: «Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit jedem geistlichen Segen in den himmlischen Regionen, in Christus … damit wir zum Lob seiner Herrlichkeit dienen ...» (Eph. 1,3;14).

Wo Jesus wohnt, ist Segen. In Ihm haben wir die Fülle, selbst bei leiblicher Armut. Gottgewirkter Segen führt zu einer Wechselwirkung – die Anerkennung seiner Macht findet Ausdruck im Lob und Preis seiner Kinder. Ein solches Leben ist gesegnet, selbst in Leid und Verfolgung, weil der Friede Gottes höher und erhabener ist als alle Umstände. Alles, was unserer eigenen Natur widerstrebt, entwöhnt uns von unserer selbstverliebten Art und bindet uns noch enger an den Herrn. Ein Kind des Höchsten kann nie tiefer fallen als in seine Hand.

Allein Gottes Gnade befähigt uns zum Ausharren im Leiden. Sein Friede wird mit uns sein und sich mehren – ist solch ein Leben nicht gesegnet? «Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen» (Psalm 91,11).

Wir kennen hierzulande kaum Verfolgung und Misshandlung wegen unseres Glaubens. An den Leiden von Glaubensgeschwistern dürfen und sollen wir aber Anteil haben, indem wir im Gebet für sie einstehen und helfen, wo wir können. (siehe die Geschichte von Afaf im Artikel von Martin Landmesser über Syrien, ab Seite 6).

Für Ihre Lesertreue im vergangenen Jahr möchte ich mich im Namen der gesamten Redaktion herzlich bedanken. Möge die Lektüre von ethos für Sie alle segensreich sein.

Herzlichst, Daniela Wagner

Weitere Gedichte von Gaby Eder, freie Mitarbeiterin unserer Zeitschrift, illustriert mit Fotografien von Hans Eder im neu erschienenen Buch:
Kurz Gefühltes Gedichte Verlag Bibliothek der Provinz ISBN 978-3-99028-255-7