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EDITORIAL

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LIEBE LESERIN, LIEBER LESER

Tief berührt lege ich das Buch beiseite. Einmal mehr werde ich mit mir kaum vorstellbarem persönlichen Leid konfrontiert. In ihrem Buch «Sehnsucht nach Heilung» lässt Joni Eareckson Tada den Leser teilhaben an ihrem Alltag. Über vier Jahrzehnte im Rollstuhl, vom Hals abwärts gelähmt, an Brustkrebs erkrankt und nun gebeutelt von unsäglichen Schmerzen, die sie nachts kaum schlafen lassen. Ehrlich beschreibt Joni ihren Kampf, den jeder neue Tag und jede Nacht mit sich bringen.

All der Not setzt sie ein «Aber» entgegen. Sie will das Feld nicht kampflos räumen. Den vor vielen Jahren errungenen Sieg nicht aus der Hand geben. Eines weiss sie, Gott ist treu. Ihr tiefster Wunsch ist, dass der Herr sie gebrauchen kann, um anderen die froh machende Botschaft vom Kreuz zu sagen. Wenn der Rollstuhl ihr Türen öffnet und sie abhängig von Gott hält, will sie dankbar dafür sein. Nicht mehr der Wunsch, dass ihr Körper heil wird, ist vorrangig, vielmehr ist es ihr Verlangen, dass ihr Herz mehr und mehr frei wird von aller Selbstsucht.

«Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setze auf Gott, den Herrn, dass ich verkündige all dein Tun.»

Psalm 73,28

Ist dies nicht übermenschlich? Andere tragische Lebensgeschichten reihen sich in meinem Kopf aneinander, den Schluss macht Hiob. Wie würde ich mich in solch einer Prüfung verhalten? Sanguinisch veranlagt, fällt es mir nicht schwer, frühmorgens fröhlich aus dem Bett zu springen. Ich freue mich auf den neuen Tag, am Pfeifen der Vögel und auf meine Arbeit. Dazu habe ich einen lieben Mann und zwei Töchter, die uns viel Freude bereiten. Gekrönt wird mein Glück noch mit Gesundheit. Wann immer mir danach zumute ist, schnüre ich meine Jogging-Schuhe und erhole mich bei einem Lauf. Mein Herz ist gefüllt mit Dankbarkeit meinem Schöpfer gegenüber.

Wie zerbrechlich dieses Gefühl der Freude ist, wie schnell es verschwindet und einem Knoten im Magen Platz macht, weiss ich nur zu gut. Plötzlich scheint die Sonne nicht mehr so hell, niederdrückende Gedanken legen sich wie ein schwerer Teppich über mich. Die Freude scheint weitergezogen zu sein. Was ist dann der Grund wirklicher Freude? Welches ist die Freude, die unabhängig von Umständen mein Herz füllt?

Den obenstehenden Vers singen wir im Gottesdienst öfters, meistens gewünscht von meiner Mutter – es ist eines ihrer Lieblingslieder. Dies kommt nicht von ungefähr, hat sich die Wahrheit dieser Worte doch so oft in ihrem wie auch in meinem Leben bestätigt. Egal, wie dunkel die Zukunft scheint, wie gross unsere Sorgen – wenn wir unser Vertrauen auf Gott setzen und in der Gewissheit seiner Liebe froh sein wunderbares Tun verkünden, wird Freude unser Herz erfüllen und ein Friede, der allen Verstand übersteigt.

Diese Freude wünsche ich Ihnen!

Herzlichst, Daniela Wagner-Schwengeler