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MIT GOTTES WORT WIE MIT ZAHLEN RECHNEN – HINTERLASSENSCHAFT

Die letzten Missionare vor ihm hatte das Kanniba-len-Volk verspeist. Das hält den deutschen Ludwig Nommensen (1834–1918) aber nicht davon ab, nach Sumatra zu den Batak zu reisen, um ihnen die Frohe Botschaft von Jesus zu bringen.

Jeder fürchtet sich vor den menschenfressenden Batak. Doch diese knechtet ihrerseits die Angst! Sie werden verfolgt von den Geistern Verstorbener. Diese Versklavung treibt Ludwig an, ihnen von Jesus zu erzählen, der ihr Beschützer sein will, sie frei machen kann und Gewalt hat über alle bösen Mächte! Dass er diese Mission nur unter Einsatz von Leib und Leben ausrichten kann, ist ihm klar.

An sich selbst und jeden «Missionar» legt er folgenden Massstab:

«Es müssen Leute sein, die dem lieben Gott aufs Wort glauben ... Leute, die mit Gottes Wort wie mit Zahlen rechnen und am Anfang der Schlacht sich schon des Sieges freuen ...

... die willig sind, sich aus Glauben im Glauben führen zu lassen im Herrn, wie der Richter Gideon, und nicht vor Strapazen zurückschrecken, sondern bereit sind, mit ihrem Gott über die Mauer zu springen. Wenn auch nicht allseitig begabt, aber unseren Herrn Jesus über alles lieben.»

Die Batak versuchen alles, um ihn loszuwerden. Aber dieser Mann scheint auf wundersame Weise beschützt und furchtlos zu sein. Die Kannibalen versuchen, ihn zu vergiften, drohen, sein Haus niederzubrennen, verweigern das Angebot von Nommensen auf Bildung für ihre Kinder und bekräftigen, ihn niemals unter sich zu dulden.

Einmal beschliessen sechs Männer, zu untersuchen, ob der Missionar tatsächlich so sanftmütig sei, wie sie es von ihm gehört haben. So kommen sie, ohne zu fragen, in sein Wohnzimmer und bleiben den ganzen Tag bei ihm sitzen. Sie lassen sich auf der Ziehharmonika vorspielen, Lieder singen, Bilderbücher zeigen und verlangen auf ihre unzähligen, albernen Fragen Antwort. Sie kauen ihren Sirih und speien nach ihrer Gewohnheit den roten Saft aus, dessen Spuren man vom Fussboden nicht wieder entfernen kann. Sie lassen sich von dem Missionar mittags und abends verköstigen. Bis gegen Mitternacht steht Ludwig den Fremden ruhig Rede und Antwort; dann erklärt er, dass er jetzt schlafen müsse.

Die ungebetenen Gäste machen es sich auf dem Fussboden bequem und – bleiben. In der Nacht wird es in diesem Tal in Sumatra auf 1000 Metern Höhe recht kalt. Nommensen steht auf und deckt seine schlafenden Gäste mit allem zu, was er an wärmenden Stoffen in seiner Hütte findet. Als diese am Morgen aufwachen, sind sie tief beschämt. «Wie haben wir uns gestern benommen, und was hat dieser Missionar an uns getan!», sagen sie. «Er hat uns gepflegt wie eine Mutter ihr kleines Kind, wir können uns nicht mehr bei ihm blicken lassen.» Fluchtartig verlassen sie das Haus. Die Geschichte spricht sich darauf im Stamm herum und öffnet Ludwig mehr und mehr Herzen.

Am 23. Mai, mit 84 Jahren, stirbt Nommensen und hinterlässt eine riesige, bereits selbstständige Kirche mit zahlreichen batakschen Lehrern.

Nommensen schrieb: «Gott geht seinen eigenen Weg und zeigt uns, dass er uns durchaus nicht nötig hat, dass es nur pure Gnade ist, wenn er uns gebraucht.» 

Daniela Wagner