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EDITORIAL

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Liebe Leserin, lieber Leser

Ein Vater hat seinem Jungen einen Hund versprochen. Jetzt geht’s ums Auswählen. Gemeinsam betrachten sie die niedlichen Welpen. Der Junge soll ein Tier aus dem Wurf auswählen, fragt sich nur welches. Schliesslich fällt sein Blick auf ein Hündchen, das auffallend heftig mit dem Schwanz wedelt. Spontan zeigt er auf dieses: «Den mit dem glücklichen Ende, den nehmen wir!» So ist es doch: Nicht der Moment, sondern das Ende, der Ausgang einer Sache, entscheidet darüber, ob etwas wirklich glücklich war. Tatsächlich hat Glück einen Zusammenhang mit dem Ende, mit dem Ausgang, mit der Ewigkeit.

«Glücklich ist der Mensch, dessen Stärke in dir ist, in dessen Herz gebahnte Wege sind.»

Psalm 84,6

Das Wort «Glück» kommt vom mittelhochdeutschen «G(e)lücke». Damit sind Wörter verwandt wie «gelingen», «leicht» oder «Luke» (engl. luck). «G(e)lücke» meint eigentlich die «Art, wie etwas schliesst, endet oder ausgeht». Glück ist das Gelungene, das was am Ende zu seiner Bestimmung findet. Es ist bezeichnend, dass die Bedeutung von Glück im Sinne des Zufalls erst viel später dazu kam, in Zeiten, in denen die Lebensentwürfe immer weniger in einem Zusammenhang mit dem Schöpfer, mit Gott, gesehen wurden.

«Sind Sie glücklich?» Ich bin geneigt, mit einem rasch formulierten, positiven Satz zu antworten. Plötzlich stutze ich, beginne zu überlegen, merke, dass die Sache mit dem Glück nicht an der Oberfläche liegt. Ja, im tiefsten Inneren bin ich sehr glücklich! Doch Fragen, Zweifel, Bedenken über Alltägliches und Zukünftiges schweben wie Feinstaub um und in mein Herz und setzen sich als Isolierschicht über meinem Glück ab. Es ist nötig, dass ich diese Antiglück-Sedimente regelmässig ausräume. Ich will – wie der Psalmendichter – «gebahnte Wege im Herz» tragen.

Denke ich vom Ende her, dann bin ich glücklich! Gott wird mich eines Tages an seiner Herrlichkeit sichtbar teilhaben lassen. Mit dieser Perspektive vor Augen fällt der lähmende «Feinstaub» – das sind nach Paulus «die Leiden der jetzigen Zeit» – doch gar nicht mehr ins Gewicht. 1 Sterblichkeit und Tod sind nicht das Ende meines Lebens. 2 Meine Bestimmung als von Christus von der Schuld Erlöster ist die Herrlichkeit der Kinder Gottes. Meine Stärke ist Jesus. Ich überwinde das Gegenwärtige durch den, der mich liebt. 3 Lassen Sie sich durch das Lesen unseres Heftes von ihm ansprechen?

Herzliche Grüsse, Ihr Rolf Höneisen

1 vgl. Römer 8,18; 
2 Römer 8,21; 30; 
3 Römer 8,37