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EDITORIAL

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Liebe Leserin, lieber Leser

Die Silhouette der Watsons Bay bei Sydney wird markant geprägt von «The Gap», einer 30 Meter hohen, steil abfallenden Klippe. Kein Wunder, dass «The Gap» Naturbegeisterte anzieht – aber auch andere. Hier stürzt sich jede Woche ein Mensch in den sicheren Tod, 50 sind es im Jahr. Die Stadtverwaltung hat 2,5 Millionen Dollar investiert in höhere Zäune, Bewegungsmelder, Notfalltelefone und Überwachungskameras. Doch Technik vermag Lebensmüde nicht abzuhalten. Mehr Erfolg hat der 83-jährige Don Ritchie. Der ehemalige Verkäufer von Lebensversicherungen hat – amtlich bestätigt – 160 Menschen gerettet, die im Begriff waren, sich von der Klippe beim Gap Park zu stürzen, einer Stelle gleich gegenüber seinem Haus. Inoffiziell heisst es, Ritchie habe weit mehr Menschen, gut 400, vor dem Schritt in den Tod bewahrt. Das tut er ganz unkompliziert. Sieht er eine einsame Gestalt lange oben auf der Kante stehen, geht er hin und spricht sie an: «Wo bist du her? Kommst du mit mir Tee trinken?» Don Ritchie hat Dutzende Male erlebt, wie ein Lächeln und ein freundliches Wort Selbstmordabsichten vertrieben. Allerdings hat er mehr Menschen springen sehen als retten können. Trotzdem versucht er es immer wieder. Denn Don Ritchie sagt: «Ich kann nicht zusehen, wie die Menschen sich umbringen.»

«Merkst du nicht, dass ich vor der Tür stehe und anklopfe?»

Offenbarung 3,20

Die Bibel erklärt, wie Gott es nicht aufgibt, zum Menschen zu reden: «Viele Male und auf verschiedenste Weise sprach Gott in der Vergangenheit durch die Propheten zu unseren Vorfahren. Jetzt aber, am Ende der Zeit, hat er durch ‹seinen eigenen› Sohn zu uns gesprochen.» 1 Don Ritchies Zugehen auf die Lebensmüden erinnert mich an eine andere Frage ... «Mensch, wo bist du?» 2 , fragte Gott, nachdem sich Adam und Eva von ihm abgewandt und versteckt hatten. Als hätte Gott nicht gewusst, hinter welchem Gebüsch die beiden zittern! Als hätte er die Hecken und Bäume nicht mit dem Hauch seines Mundes hinwegfegen können! Gottes Frage zeigt seine Liebe, seine Sorge um uns. Sein «Wo bist du?» ist eine Einladung, unser Tun zu erkennen, umzukehren und ihm, unserer Lebensquelle, zu antworten.

Die Todesklippe vor Sydney erinnert auch an den Felsen Golgatha. Dort starb der Sohn Gottes unseren Tod, wegen unserer Schuld. Aus Liebe zu uns. Aber Liebe kann man ausschlagen. In unserer Gesellschaft ist die Gleichgültigkeit gegenüber Jesus Christus gross. Die Menschen verhalten sich gegenüber ihrem Schöpfer wie Adam und Eva: fortlaufen, verstecken, sich schämen, die Ohren zuhalten und vor dem Tod zittern. Worte im Buch der Offenbarung, Kapitel 3, Verse 17 bis 20, treffen die Situation. Sie enden mit der Aufforderung: «(...) Mach Schluss mit deiner Gleichgültigkeit und kehre um! Merkst du nicht, dass ich vor der Tür stehe und anklopfe? Wer meine Stimme hört und mir öffnet, zu dem werde ich hineingehen, und wir werden miteinander essen – ich mit ihm und er mit mir.» – Wir Christen sollten wie Don Ritchie auf Menschen zugehen, sie fragen, wer sie sind und ob wir sie zu einem Kaffee einladen dürfen. Der Herr wird mit uns sein.

Herzliche Grüsse, Ihr Rolf Höneisen

1 Hebräer 1,1–2 a (NGÜ); 2 1. Mose 3,9