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EDITORIAL

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LIEBE LESERIN, LIEBER LESER

Das Aussehen von Armen, Beinen und Bauch – ob Sixpack oder Winterreifen – ist uns vertraut. Allen Verrenkungen zum Trotz ist es uns jedoch verwehrt, einen Blick auf das eigene Gesicht zu erhaschen. Ob die Augen braun oder blau, die Gesichtshaut blass oder bronzefarben ist, erkennen wir nur mit Hilfe eines Spiegels. Wobei – auch der hat seine Tücken! Nicht alle bilden die Wirklichkeit ab. In manch einer Frauenkabine von Kleidergeschäften (bei den Männern auch?) hängen welche, die längsverzerren – diese Illusion schmeichelt! Erst zuhause, vor dem «nichtmanipulierten» Spiegel, wird man gewahr, dass man in dieser Hose wohl nicht wie Heidi Klum, sondern eher wie eine abgeschnürte Wurst aussieht.

Auch wenn das Erscheinungsbild zu unserer Identität gehört – vom ersten Tag unseres Daseins an machen wir Erfahrungen, wie Menschen auf unser Aussehen reagieren, und dies beeinflusst unser Verhalten –, so beantwortet es doch nicht die Frage, wer wir sind. Sind wir das, was andere von uns sagen? Deckt sich meine eigene Wahrnehmung mit der Realität? Worin kann ich mich spiegeln, mich wirklich sehen und Antworten über den Sinn meines Seins bekommen? Es ist offensichtlich: Die Identitätsfrage ist eng verknüpft mit der Frage nach unserem Wert.

«Und Gott schuf den Menschen in seinem Bilde.»

1. Mose 1,27

Wagen wir einen Blick in den Spiegel Gottes, sein Wort, die Bibel? Da finden wir eine wundervolle Identität, gleich auf den ersten Seiten: «Und Gott schuf den Menschen in seinem Bilde.» Sind wir Gott tatsächlich ähnlich? Nach seinen Gedanken gemacht? Tragen wir seine Prägung, seine Handschrift? Ja, Er, der heilige, allmächtige Gott, hat uns in seinem Ebenbild geschaffen in der Absicht, dass der Mensch in Beziehung zu ihm lebt. Seine vollkommene Wesensart sollten wir spiegeln. Damit gab uns Gott den höchsten Wert überhaupt, eine ewige, wunderbare Identität!

Blicken wir aber länger in Gottes Wort, erkennen wir unschwer, dass das Bild Gottes im Menschen verzerrt ist, weil er sich aus der Abhängigkeit von seinem Schöpfer gelöst hat und die Gemeinschaft mit ihm verlor. «... die Menschen verfielen in ihren Überlegungen in Torheit und ihr unverständiges Herz wurde verfinstert ... welche die Wahrheit Gottes in die Lüge verwandelt haben ... dem Geschöpf mehr Verehrung und Dienst darbrachten als dem Schöpfer ... deshalb bist du nicht zu entschuldigen, o Mensch ...» (Römer 1,21.25;2,1).

In seinem Streben nach Autonomie verlor der Mensch Bedeutung und Ziel. Der Sündenfall ist die Geburtsstunde der menschlichen Sinn- und Identitätskrise. Programm der Atheisten ist es, Sinnloses auszuhalten, zu gestalten und dabei nicht irre zu werden. Es ist modern, den «Nonsens» zu beschreiben. Tönt so aufgeklärt, unabhängig und stark. Die wirkliche Verzweiflung dahinter tritt in den Sprechzimmern der Psychiater und Ärzte zutage.

Zu unserem Glück hat Gottes Sohn durch sein Opfer am Kreuz den Graben zugeschüttet, der uns von Gott getrennt hat. Aufgrund dessen ist ungetrübte Gemeinschaft wieder möglich. Gott wartet auf eine Antwort von uns. Auch alles «Für-wahr-Halten» nützt nichts, wenn es nicht durch eine Annahme des Angebots zur Tat wird. Traurig, wenn wir am Boden sitzen bleiben wie die Gänse (siehe links) und ein Lied auf das physikalische Gesetz der Aerodynamik singen, uns aber dieser Auftriebskraft nicht aussetzen.

Herzlichst, 
Daniela Wagner-Schwengeler