<
EDITORIAL

EDITORIAL

LIEBE LESERIN, LIEBER LESER

Der Ausgang der Schlacht von Waterloo 1815 wird in einer nebligen Nacht mittels eines optischen Systems übermittelt. Die Beobachter in England sehen das Signal und entziffern: «Wellington besiegt». Da sinkt ihnen der Mut. Plötzlich – der Himmel klart auf – ein weiteres Zeichen: «Wellington besiegt den Feind». Die scheinbare Niederlage wird zum Triumph. Jubel bricht aus.

Voller Angst versammeln sich die Jünger Jesu nach der Kreuzigung hinter verschlossenen Türen. Ihr Meister: geschlagen, besiegt! Er, der sich als Retter der Welt vorgestellt hatte, das Tor zum ewigen Leben – tot! Mit Vollmacht hatte er Tote zum Leben erweckt, Kranke geheilt und Tausende satt gemacht. Und nun ein Bild völliger Ohnmacht: angenagelt an ein Kreuz, begleitet von den Spott- und Hohnrufen derer, die darunterstanden. Gibt es deutlichere Zeichen einer Niederlage?

«Nur am Fuss des Kreuzes sehen wir uns selbst, die Welt und Gott im rechten Licht.» Hudson Taylor

Doch dann wendet sich das Blatt! Der Auferstandene zeigt sich seinen Jüngern. Trauer und Angst schlagen um in unbändige Freude. Leben kommt in die Schar der eben noch so Hoffnungslosen. «Es ist also doch wahr, Jesus hat den Tod überwunden!»

Die Kreuzigung Jesu, die erste Hälfte der Botschaft, sah wie Scheitern auf der ganzen Linie aus. Die zweite Hälfte, die Auferstehung, wandelte das vermeintliche Desaster in einen flammenden Sieg über Tod und Teufel.

Das Kreuz von Golgatha ist Dreh- und Angelpunkt der Weltgeschichte. Darauf lief das ganze Leben Jesu zu. Bis heute teilt dieses Ereignis unsere Zeitrechnung in «vor» und «nach» Christus. Hier entscheidet sich auch das Schicksal jedes Menschen. «Nur am Fuss des Kreuzes sehen wir uns selbst, die Welt und Gott im rechten Licht» (Hudson Taylor). Lesen Sie dazu: «Das Kreuz, mehr als ein Symbol» (S. 31). Sind Sie dem Auferstandenen schon begegnet? Ist ER Ihr Heiland und Herr?

«Es sei aber fern von mir, mich zu rühmen als allein des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus, durch den mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt», schreibt Paulus (Gal. 6,14; 1. Kor. 1,23; 2,2). Was meint der Apostel damit? In seinem Leben zeigt sich, was Nachfolge Jesu im Schatten des Kreuzes bedeutet. Man riskiert, genauso geschmäht und verfolgt zu werden wie der Herr. Das fordert enorm, denn Glaubende fahren nicht «auf Sicht», sondern auf die gewaltige Zusage Jesu: «Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende» (Matth. 28,20). Er schenkt geöffnete Augen des Herzens, die den Reichtum in Ihm sehen und die Gewissheit, dass – wenn sich der Nebel erst verzogen hat – der Sieg sich zeigt. Das lässt Kinder Gottes singen.

Der englische Prediger C. H. Spurgeon liess einen Freund zu sich rufen und sagte: «Bruder, ich glaube, ich werde sterben. Was würden mir all die theologischen Systeme jetzt nützen? Meine Theologie ist ungemein einfach geworden, sie lässt sich in vier kleine Worte zusammenfassen. Das mag vielleicht nicht genügen zum Predigen, aber es genügt, um darauf zu sterben: Jesus starb für mich! Das ist genug, Bruder.»

«Ein Mensch, der an Jesus glaubt, lebt nicht dem Tod, sondern dem Leben entgegen» (Norbert Lieth). Das glaubte auch der zehnjährige Boas, den Gott heimholte, und ist auch der Trost seiner Eltern. Lesen Sie dazu: «Wenn der Friede Gottes unsere Trauer berührt ...», ab Seite 9.

«Ich bin gekommen, damit sie Leben haben und es in Überfluss haben», verspricht Jesus. Mit dem Wunsch, dass Sie und ich auf diese Zusage bauen, grüsse ich Sie ganz herzlich,

Ihre

Daniela Wagner-Schwengeler