

CORONA -SCHRECK
Freiflug im Wohnzimmer
Der Corona-Schreck ist kein Virenfänger, sondern er soll fliegerische Aktivitäten auch in Corona-Zeiten ermöglichen. So habe ich – um nicht in häusliche Lethargie zu verfallen – ein Modell konzipiert, das quasi um den Wohnzimmerleuchter kreisen kann. Der Corona-Schreck fliegt inzwischen so fantastisch, dass ich es jeden Morgen zum Frühstück genieße, ihn fliegen zu sehen.

Mit S-Schlag
Eine Voraussetzung für den sauberen Flug ist natürlich der exakte Aufbau des kleinen Modells. Die Flügel-Hinterkante ist trimmbar ausgeführt, um den zur Schwerpunktlage passenden S-Schlag zu erzeugen. Die Trimmung reagiert dabei sehr sensibel. Idealerweise wird die beste Einstellung markiert – und kann somit reproduziert werden. Irritierend ist zunächst die Schwerpunktlage mit 10 mm hinter der Flügel-Vorderkante. Aber nur mit dieser Position ist das Modell auch wirklich flugstabil. Dabei habe ich auf den Erfahrungen mit dem Modell Soli aufgebaut. Siehe dazu auch den Plan in meinem Buch „Alles über Saalflug“ (VTH-ArtNr. 3102240).

Alles auf Kurve
Beim Corona-Schreck ist alles auf Kurve eingestellt: Seitenruder links, drei Grad Motorzug links sowie asymmetrischer Flügel mit Verlängerung der linken Flügelhälfte, dazu eine Schrägrippe. Diese führt dazu, dass das Winglet mit höherem Winkel angeströmt und damit das Drehmoment des Gummimotors kompensiert wird. Gleichzeitig wirkt es zusätzlich als Seitenruder und unterstützt so die Linkskurve. Nicht zu vergessen der Motor, der ein kräftiges Drehmoment nach links, also entgegen dem Uhrzeigersinn (alles in Flugrichtung gesehen) erzeugt. Das Modell enthält damit mehr Finessen, als mancher vermutet.

Zum Aufbau...
... dient eine 0,5-mm-Stahlblechplatte aus dem Baumarkt mit Magneten (etwa von 3M das elastische Magnetband zum Abschneiden). Spätere Klebestellen sollte man vorher mit Klebefilm entlang der Längsholme abdecken. Die Balsaleisten richtet man fugenfrei aus und versieht die Stöße mit je einem Tröpfchen Leim (einem Gemisch aus rund 2/3 UHU Hart und 1/3 Aceton).

An den im Plan gekennzeichneten Stellen bringt man nun Streifchen aus Bespannpapier als Gelenk an. Die Leisten werden dort aber nicht verleimt. Die Mittelrippe sollte man auch noch nicht einleimen, sondern erst nach dem Bespannen. Mylarfolie (wahlweise auch zum Beispiel die dünnste Gemüse-Tütenfolie) legt man nun auf einer ebener Unterlage aus und besprüht die Oberseite der Flügelstruktur dünn mit 3M-Spraymount. Dann legt man den Flügelrahmen mit der besprühten Seite auf die Folie, drückt leicht an und schmelzt die Überstände ringsum mit dem Lötkolben ab.
Die Winglets...
... werden an der Basis eingeritzt, hochgeknickt und die Knickstellen mit Bespannpapier-Streifchen verstärkt. Der Propeller ist ein einfaches Paddel mit einem quadratischen Holm aus 4×4-mm-Balsa. Als Lager dient beispielsweise ein Stück Bowdenzug-Röhrchen, das mit Sekundenkleber mit 3 Grad zur Flugrichtung unter den Rumpf geleimt wird. Wahlweise kann auch ein Alu-Saalfluglager Verwendung finden. Auf genügend Freiraum für den Gummistrang sollte man auf jeden Fall dabei achten. Für diejenigen, die Probleme bei der Materialbeschaffung haben, kann der Autor (Kontakt über E-Mail an: fmt@vth.de) einen Materialsatz bereitstellen.

Fliegen mit dem Schreck
Der Schwerpunkt wird ohne Gummi bestimmt. Man erreicht die korrekte Lage (10 mm hinter der Fügelvorderkante) durch ein Versetzen des Flügels. Eine Schleife aus einem TAN-Super-Sport-Gummi mit 250 mm Länge (eben ausgelegt, beide Fäden parallel) mit rund 1,2 g/m (Querschnitt etwa 1,2×1 mm) dürfte optimal sein.



Bei den ersten Starts bringt man rund 350 Umdrehungen auf den Gummi. Ein zu enges Kreisen kann durch Neujustage des Seitenruders oder durch weniger Linkszug kompensiert werden. Ein geflogener Kreisdurchmesser von 1,5 bis 2 m ist für den Corona-Schreck optimal. Mit 500 Gummi-Umdrehungen sollte das Modell steigen. Die Grenze liegt je nach Gummiqualität bei rund 1.000 Umdrehungen. Im Wohnzimmer reichen jedoch in der Regel 500 bis 700 Umdrehungen aus, um die Decke zu erreichen.
ONLINE-WETTBEWERB

Da in Corona-Zeiten alle Modellflug-Wettbewerbe abgesagt werden mussten, wurde aus der Not eine Tugend geboren. Zusammen mit dem Ther-miksense-Team haben wir kurzerhand einen europaweiten Online-Wohnzim-mer-Saalflugwettbewerb ausgeschrieben. Das mit dem Corona-Schreck vergleichbare schwedische Saalflugmodell namens Lillflygar`n mit 260 mm Spannweite sollte möglichst lange unter der Decke kreisen, wobei die aktuelle Deckenhöhe mit einer Formel zur Korrektur der Flugzeit berücksichtigt wurde. Die Regeln: Das Modell musste mindestens 1,0 g wiegen, der zugehörige Gummimotor höchstens 0,3 g.
Das anfängliche Interesse war überwältigend. Manche Wohnzimmer stellten sich am Ende aber doch als zu klein heraus, so dass nicht alle ihre Ergebnisse gemeldet haben. Bei dem Wettbewerb wurden mit sechs möglichen Versuchen sensationelle Flugzeiten mit bis nahezu zweieinhalb Minuten bei Raumhöhen von durchschnittlich 2,6 m erreicht. Wäre hätte gedacht, dass eine Krise zu solchen Leistungen anspornt?
Corona-Schreck
Spannweite: 250 mm
Länge: 242 mm (bis Propellerholm)
Gewicht: ca. 1,6 g (ohne Gummi)
